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Neuhauser Perchten

Tradition wahren, Brauchtum pflegen, dafür schlägt das Herz von Bernhard Scharf, dem Gründer der Neuhauser Perchten. Und so war der Besuch einer Deggendorfer Rauhnacht der willkommene Anlass, seinem zweiten Hobby, dem Schnitzen, nachzugehen. Er besorgte sich einschlägige Literatur über das Rauhnachtsbrauchtum und schon entstanden vor seinem geistigen Auge die ersten Larven, die er dann nach und nach „raushaute“, wie er zu sagen pflegt: Erst entstand die „Lutz“, dann der „Teufel“. Es folgten „Frau Percht“ mit ihren zwei Gesichtern, dann die „Haberngoass“, die „Trud“ und der „bluadige Dammerl“. Renate Scharf, die Frau des Schreiners, eine begnadete Malerin von Schützenscheiben, Dachziegeln und allerlei anderem Hausschmuck, gab den Masken ihr heutiges Aussehen.

Einem ersten Auftritt stand nichts mehr im Wege. Da bot sich der Kameradschaftsabend der KSK Neuhausen geradezu an, zu testen, wie denn ein Perchtenauftritt - mal etwas völlig Neues - in der Gemeinde angenommen wird. Dies war im Jahr 2005. Mit Hilfe von Freunden und Mitgliedern der Neuhauser Stadlplattler wurde ein kurzes Programm erstellt, eingeübt und dargeboten.

Es gefiel den Leuten. Auch wenn es erst mal im Saal des Gasthauses Kreitmeier und noch nicht draußen, im Finsteren, bei schummriger Beleuchtung, mit furchterregenden Geräuschen und einstudiertem Perchtengesang war.
Das wurde bald anders. Noch im gleichen Jahr, auf einer privaten Geburtstagsfeier, wurde das Programm erweitert. In einer romantischen Umgebung begleiteten Geschichten den Perchtenauftritt und der erste Fruchtbarkeitstanz zum Glockenspiel wurde aufgeführt.

Und – siehe da – es folgten die ersten Engagements. 2006 konnten die Neuhauser Perchten immerhin 7 Auftritte in den Nächten der Rauhnacht verbuchen. Zunächst folgten Auftritte auf dem Weihnachtsmarkt in Andermannsdorf, auf dem orientalischen Wintermarkt in Ergoldsbach sowie ein Auftritt zu einer Weihnachtsfeier in Kläham. Auf der Burg Trausnitz, wo gerade Rauhnachtführungen durch die Burg angeboten wurden, wurde man auf die Neuhauser Perchten aufmerksam und gleich vier Auftritte in den Gemäuern der Burg wurden gebucht.

Und so ging es in der nächsten Saison 2007/2008 weiter. Gleich zwei Auftritte mussten an einem Samstag bewältigt werden: Zunächst bei Thomas Emslander, Christbaumverkauf, Unterglaim, und anschliessend wieder in Ergoldsbach. Es folgten wiederum vier Auftritte auf der Burg Trausnitz. Den Abschluss dieser Saison bildete der Raunachtauftritt in Unterneuhausen am Platz an der Linde. Zahlreiche Besucher füllten den Platz und bildeten bei winterlichem Wetter den gebührenden Rahmen.

In der Saison 2008/2009 waren es nicht ganz so viele Auftritte, dafür aber um so schönere. Neben zwei Auftritten auf der Burg, diesmal aber im Freien, waren die Perchten vertreten in Hohenthann auf dem Christkindlmarkt. Mit erweitertem Programm, erzählten und gespielten Geschichten, alle selbst geschrieben, gelang es den Neuhauser Perchten, die traditionsreiche Rauhnacht den vielen Besuchern zu vermitteln. Sei es die Geschichte um den „Hemmedmatz“, der wie durch ein Wunder zu einem Namen kam, um so den Tiefen des Fegefeuers entgehen zu können, oder sei es die Erzählung um die geheimnisvolle „Weiße Frau“, die – seit Jahrhunderten eingemauert im dunkelsten Verlies – in den Rauhnächten auftaucht und sich ihrer Reichtümer erfreut, die Stimmung einer geheimnisvollen Zeit in den dunkelsten Nächten des Jahres schwappte auf die Besucher über.

Den Höhepunkt der Saison stellte aber die „Zweite Rauhnacht“ in Unterneuhausen, wieder auf dem Platz an der Linde, dar. Bei herrlichem Winterwetter mit Schneetreiben und unter den „Augen“ des Regionalfernsehens, gelang es den Perchten ganz besonders, den zahlreichen Besuchern die Jahrhunderte alte Tradition der Rauhnacht näher zu bringen. Selbstverständlich vermochten es die „fürchterlichen Gestalten“ mit Krach und Radau die „Mächte der Finsternis“ zu vertreiben. Um dem folgen zu können, war es natürlich notwendig, sich entsprechend zu stärken. Bei hungrigem Magen vermag eine noch so schöne Aufführung nicht zu gefallen. Und da die Neuhauser Perchten, unterstützt von vielen Helferinnen und Helfern, für das leibliche Wohl der Besucher bestens gesorgt hatten, kam ein stolzer Gewinn – auch Dank der Spendenbereitschaft der Besucher – zustande, der an die Krankenstation Obersüßbach und an eine Einrichtung für bedürftige Kinder in Bosnien-Herzigowina als Spende weitergegeben wurde.